Harry Potter. Ein Rückblick. Ein Ende.

Tatsache, mein erster richtiger Eintrag handelt von Harry Potter. Der ein oder andere meiner Twitterfollower wird nun enttäuscht sein, weil er Sex, Drugs und Rock’n’Roll erwartete. Nun. Zunächst einmal schreibe ich diesen Blog nicht, um Erwartungen zu erfüllen. Davon abgesehen – es werden wohl auch Artikel folgen, in denen es mehr in diese Richtung geht.

Warum Harry Potter?

Wer gestern RTL geguckt oder auch nur mal einen Blick in die Twitter-Timeline geworfen hat, weiß, dass der letzte Harry Potter Film lief. Natürlich habe ich ihn mir auch (erneut) angesehen. Und wurde doch ein wenig wehmütig. Denn der letzte Film bedeutete für mich auch das endgültige Ende einer „Ära“.

Als meine Oma mir den ersten HP-Band schenkte, war ich etwa 8 oder 9 Jahre alt. Ich habe als Kind immer gerne und viel gelesen, doch dieses Buch fesselte mich mehr als jedes andere. „The boy who lived“ setzte sich in meinem Kopf fest. Den zweiten und dritten Band lieh ich mir in der Bibliothek aus und verschlang jede einzelne Seite. Die Geschichte faszinierte mich und die Parallelwelt der Zauberer übte eine starke Anziehung auf mich aus. Wahrscheinlich auch, weil mir damals schon die reale Welt irgendwie suspekt war.

Als ich dann mit dem dritten Band durch war, hieß es das erste Mal warten. Um die Zeit bis zum Erscheinen des vierten Buches zu überbrücken, beschloss ich, die ersten drei Bücher noch einmal zu lesen, dieses Mal allerdings auf Englisch. Als ich damit begann, verstand ich lediglich ein paar Brocken Englisch. In der Schule hatte ich es auch noch nicht als Unterrichtsfach (ich habe in der 5. Klasse mit Latein angefangen und hatte erst ab der 7. Englischunterricht.). Da mir aber die Handlung im Buch eben schon bekannt war, gelang es mir, genug kombinieren zu können, um ein erneutes Lesevergnügen zu haben. Harry Potter hat mir also im Prinzip damals schon mal ein paar solide Englischkenntnisse vermittelt.

Das vierte Buch las ich noch auf Deutsch, sobald es erschienen war, die restlichen dann auf Englisch.

Das gefühlt ewige Warten auf einen neuen Harry Potter Band gab mir jedes Mal, wenn ich ihn dann endlich in den Händen hielt, das Gefühl, etwas ganz besonders Kostbares zu besitzen. Einige hundert Seiten, die mich aus dem Alltag entführen und mich völlig in einer anderen Welt versinken ließen. Eine Welt, die zwar Schreckliches beherbergte, aber ebenso eine Menge Schönes, wie Freundschaft und Mut. Neigte sich ein Buch dem Ende, sparte ich mir die letzten Kapitel immer möglichst lange auf. Besonders beim siebten und letzten Band. Als dieser 2007 erschien, war ich 17 und damit kurz vor dem offizellen Erwachsenwerden und genau so alt wie Harry Potter selbst.

Die letzten Seiten in diesem Buch zu lesen, war eine sehr zwiespältige Situation. Auf der einen Seite wollte ich unbedingt wissen, wie es ausgeht und auf der anderen wollte ich nicht, dass es endet. Ewig konnte ich es nun mal nicht herauszögern und so war es irgendwann da: Das Ende der Geschichte von Harry Potter. Und dann saß ich da. Beeindruckt von einem großartigen Finale und doch auf eine Weise innerlich leer. Das war es nun also. Es würde keine Wartezeiten auf neue Bücher mehr geben. Coldmirror (eine bekannte Youtuberin und ebenso Potter-Nerd) beschrieb einmal in einem Interview, dass das Warten auf einen neuen Band sie eine zeitlang quasi am Leben hielt. Das mag nun für die meisten völlig übertrieben erscheinen, aber ich kann sie verstehen. Man wollte nunmal wissen, wie es weitergeht. Man fieberte mit diesem Jungen und seinen Weggefährten mit. Und somit hatte man immer eine Art Lichtblick, wenn das eigene Leben mehr schwammig an einem vorbeilief oder eben überhaupt nicht das war, was man sich wünschte.

Und dieser Lichtblick war dann erloschen. Die Geschichte, die Charaktere. Es endete. Und damit endete auch etwas, was mich immerhin meine gesamte Jugend über begleitet hatte.  Jemanden oder etwas loszulassen, fiel mir nie leicht und die Heiligtümer des Todes nach der letzten gelesenen Seite wegzulegen war ein bisschen, wie einen liebgewonnenen Freund zu verabschieden. Ich war in meiner Jugend phasenweise doch ganz schön einsam und so war es möglich, dass eine Bücherreihe für mich mehr wurde als das, was sie war. Sie wurde eine Zuflucht.

Selbstverständlich habe ich jedes der Bücher mittlerweile 3-5 Mal gelesen, die Filme immer wieder gesehen, die Hörbücher (wunderbar gelesen von Rufus Beck!) immer wieder zum Einschlafen gehört.
Mittlerweile bin ich 23, die Heiligtümer des Todes liegen 5 Jahre zurück und einsam bin ich auch nicht mehr.
Und doch löst es immer noch etwas in mir aus, wenn im Fernsehen mal wieder einer der Filme wiederholt wird. Dann denke ich zurück an lange Nächte, in denen ich nicht mit dem Lesen aufhören konnte. Ich denke zurück an mein Hogwarts T-Shirt. An meinen Hedwig-Schreibblock. An mein Zauberwörterbuch, in denen die spezifischen Begriffe der Zauberwelt übersetzt waren. Ich denke an den Besuch beim Bahnhof Kings Cross im Jahr 2000, wo mein Blick den eines anderen Mädchens traf, das ebenfalls einen Harry Potter Band in den Händen hielt und mit dem ich einen stummen Moment des Verständnisses teilte.
Ich denke zurück an eine vergangene Zeit.

 

Abschließend bleibt für mich nur das zu sagen, was ich gestern bereits in einem Tweet von mir gab:
Thanks J.K.Rowling for making my childhood more awesome!

Advertisements

7 Kommentare zu “Harry Potter. Ein Rückblick. Ein Ende.

  1. Pingback: Harry Potter. Ein Rückblick. Ein Ende. | larifariabel

  2. Jetzt heule ich, weil ich gerade auch zum drölfzigsten Mal die Reihe lese und vorhin mit dem siebten Band angefangen habe (und schon bei der Widmung ne Pause einlegen musste, weil ich vor lauter Tränen die Buchstaben nicht mehr sehen konnte – sind wir denn noch normal??).
    Für mich sind die Bücher auch eine Zuflucht. Wenn es mir schlecht geht, fliehe ich nach Hogwarts und erlebe die ganze Geschichte einfach nochmal neu. Auch wenn ich inzwischen auf deutsch und englisch fast jeden Satz auswendig kenne. Diese Bücher sind mein Zuhause und werden es auch immer bleiben.
    Und mir geht es wie Coldmirror, ohne die Ankündigung des 6. Buchs wäre ich wohl nicht mehr hier.
    Ich würde alles darum geben, die Bücher noch einmal zum ersten Mal lesen zu können.
    Du kannst dir kaum vorstellen, wie froh ich bin, dass meine Uni-Mitbewohnerin auch so verrückt nach Harry Potter ist und dass wir nach dem Physikum zusammen in London eskalieren wollen, bis wir endlich aufs Gleis neundreiviertel gelassen werden und nach Hogwarts fahren dürfen. xD

    Ernsthaft, wo bleibt meine Eule?

    (Und wie ich Bellatrix dafür büßen lassen würde, dass sie meinen Sirius getötet hat!)

      • Jaaaa, und ich seh mich da ständig selbst! Man sieht genau kommen, wie irgendwas voll in die Binsen geht und weiß auch, wie man es noch verhindern könnte, aber irgendwie kriegt man’s dann doch nicht hin und alles steht in Flammen.
        Aber am Ende wird alles gut. ❤

  3. Wow als würdest du meine „Lesegeschichte“ beschreiben. Das erste Buch mit 8, die Folgenden in der Bücherei ausgeliehen, das erste Warten auf den 4. Band und am Erscheinungstag ganz aufgeregt nach der Schule auf englisch gekauft. Nur die Hälfte verstanden, aber trotzdem verschlungen. Ach und in London war ich 2004 und das Highlight war natürlich das Gleis 9 3/4.
    Das ganze so schön von dir in Worte gefasst, dass ich Gänsehaut bekommen habe und genau dieses mulmige Gefühl, das du beim Lesen vom Ende des 7. Bandes beschreibst.
    Ich bin wahnsinnig dankbar, dass ich mit Harry Potter aufwachsen durfte und werde ganz traurig wenn ich dran denke, dass ich ein solches Leseerlebnis wohl nie wieder haben werde, schon gar nicht über viele Jahre hinweg…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s